Viele Segler warten mit dem segel reffen etwas zu lange. Das Gefühl einer stark krängenden Yacht mag abenteuerlich wirken, doch übermäßige Schräglage führt fast immer zu Geschwindigkeitsverlust, hohem Ruderdruck und starker Luvgierigkeit.

Reffen ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern ein Beweis für gute Seemannschaft und vorausschauenden Segeltrimm. Indem Sie die Segelfläche rechtzeitig verkleinern, halten Sie das Boot aufrechter, behalten die volle Ruderkontrolle und segeln unterm Strich schneller und wesentlich komfortabler.

Warum reffen? (Die Mechanik hinter Krängung und Geschwindigkeit)

Nimmt der Wind zu, baut sich im Segelprofil enormer Druck auf. Ab einem gewissen Krängungswinkel (meist zwischen 15° und 20°, abhängig vom Rumpfdesign) treten drei leistungsmindernde Faktoren auf:

  • Abdrift nimmt zu: Das Unterwasserschiff und der Kiel verlieren durch die Schräglage an hydrodynamischem Auftrieb. Das Boot treibt seitlich ab, statt Vortrieb zu generieren.
  • Ruderausschlag bremst das Schiff: Um die Luvgierigkeit auszugleichen, muss ständig stark gegengesteuert werden. Ein querstehendes Ruderblatt wirkt wie eine massive hydrodynamische Bremse im Wasser.
  • Verlust der Profilkontrolle: Ein überlastetes Segel verzieht sich. Der Druckpunkt wandert nach achtern und oben aus, was die Krängung und den Ruderdruck weiter verstärkt.

Durch das rechtzeitige Einbinden eines Reffs wandert der Segeldruckpunkt wieder nach unten und vorne. Das Schiff richtet sich auf, das Ruder wird wieder neutral und feinfühlig, und die Geschwindigkeit nach vorne nimmt spürbar zu.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Reffen?

Eine klassische Faustregel im Segelsport lautet: „In dem Moment, in dem Sie zum ersten Mal ans Reffen denken, ist genau der richtige Zeitpunkt dafür.“

Achten Sie beim Segeln auf folgende Indikatoren:

  • Zunehmender Ruderdruck: Sie müssen permanent Kraft an der Pinne oder am Steuerrad aufwenden, um den Kurs zu halten.
  • Übermäßige Krängung: Die Scheuerleiste oder das Gangbord taucht ins Wasser ein und das Schiff reagiert nur noch träge auf Ruderkommandos.
  • Sonnenschuss-Gefahr: Das Schiff luvt in Böen unkontrolliert an, weil das Ruder die Strömung verliert.

Schritt-für-Schritt: Das Großsegel auf offenem Wasser reffen

Ein strukturierter Ablauf verhindert Hektik an Deck. Mit diesen Schritten setzen Sie ein kontrolliertes Reff:

  1. Vorbereitung & Kurs: Steuern Sie einen stabilen Am-Wind-Kurs (oder leichten Raumwindkurs bei Rollgroß-Systemen). Maschine bei Bedarf auf Standby schalten. Dirk (oder Baumniederholer) durchsetzen, um das Gewicht des Großbaums abzufangen.
  2. Druck aus dem Großsegel nehmen: Großschot und Baumniederholer fieren, damit das Großsegel vollständig drucklos wehen kann.
  3. Großfall fieren & Reffleine durchsetzen: Das Großfall kontrolliert fieren, bis die gewünschte Reffkausch die Baumnock erreicht. Reffauge am Mast in den Reffhaken einhängen (oder vordere Reffleine dichtsetzen). Großfall wieder mit der Winsch auf die korrekte Vorliekspannung durchsetzen. Die Schmeerreep (Achterliek-Reffleine) kraftvoll über die Winsch dichtsetzen, bis das neue Schothorn flach und fest auf den Großbaum gezogen ist.
  4. Feintrimm & Segeltuch sichern: Dirk wieder vollständig entlasten. Großschot, Traveller und Baumniederholer passend nachtrimmen. Überschüssiges Tuch mit Reffbändseln ordentlich zusammenbinden (Achtung: Reffbändsel nehmen keinerlei Zugkräfte auf, sie dienen rein der Bändigung des Tuchs).
Sailing Techniques · Masterclass

Das Großsegel auf offenem Wasser reffen

Ein strukturierter Ablauf verhindert Unruhe an Deck. Folgen Sie den 4 Schritten für ein perfekt getrimmtes Reffprofil.

Dirk durchsetzen Kurs: Am Wind Motor auf Standby bei Bedarf

1. Vorbereitung & Kurs

Steuern Sie einen stabilen Am-Wind-Kurs (oder leichten Raumwindkurs bei Rollgroß). Motor bei Bedarf auf Standby. Dirk oder Baumniederholer durchsetzen, um das Gewicht des Großbaums abzufangen.

Benötigen Sie eine Beratung zu Einleinen-Reffsystemen, zusätzlichen Reffreihen oder maßgefertigten Segeln?

Segelberatung anfragen

Die Balance zwischen Vorsegel und Großsegel

Vergessen Sie beim Reffen des Großsegels das Vorsegel nicht. Eine eingerollte Genua oder Fock muss stets mit dem gerefften Großsegel harmonieren.

Wird die Genua eingerollt, muss zwingend der Holepunkt (Genuaschlitten) nach vorne verschoben werden. Da das Unterliek kürzer wird, muss der Zugwinkel der Schot steiler nach unten wirken. Andernfalls öffnet sich das Achterliek im oberen Bereich zu stark (Twist) und beginnt unruhig zu killen.

Möchten Sie mehr Performance aus Ihrer Segelgarderobe herausholen?

Haben Sie Fragen zu Reffsystemen, möchten Sie zusätzliche Reffreihen einarbeiten lassen oder suchen Sie die optimale Tuchkonfiguration für Ihre Yacht?

Bei SudWest Sails beraten wir Sie gerne zu maßgeschneiderten Verstärkungen und Schnitten für Ihre Segel. Kontaktieren Sie unser Team online oder besuchen Sie uns in unserer Segelmacherei in Koudum!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert